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Blasmusik in Malsch: eine Rückschau !!

Am 2. Juni 1886 beschloß der Verwaltungsrat des Feuerwehrcorps Malsch unter Führung des damaligen Kommandanten Cyriak Lang eine Feuerwehrkapelle ins Leben zu rufen.
 
Die Generalversammlung vom 4. Juli des gleichen Jahres billigte den Beschluss ihres Verwaltungsrates und genehmigte die 19 Paragraphen, die den zukünftigen Musikbetrieb der Feuerwehrkapelle, zu der sich 21 Zöglinge gemeldet hatten, regelten. Nach strengen und langen Proben ist aus dem Protokollbuch der Feuerwehr zu ersehen, dass die Kapelle unter Leitung ihres ersten Kapellmeisters Müller von der Unteroffiziersschule Ettlingen am 8. Nov. 1886 das erste Mal dem Feuerwehrcorps bei dessen Haupt- und Schlussprobe Dienste geleistet und allgemeinen Beifall geerntet hat. Ab dem Jahre 1887 finden die Einsätze der Feuerwehrkapelle bei den unterschiedlichsten weltlichen und kirchlichen Anlässen Erwähnung. Finanzierungsprobleme führten am 10. Mai 1914 zur Gründung des Musikvereins Harmonie, dessen Mitglieder zusammen mit der Feuerwehr die Kapelle finanzierten.

Durch den ausbrechenden 1. Weltkrieg wurde die Entwicklung der Kapelle unterbrochen und die Musiker traten nach fast fünfjähriger Pause am 19. Januar 1919 mit ihrem Dirigenten Max Böhmer anlässlich eines Begrüßungsfestes für Kriegsheimkehrer wieder öffentlich auf. Die Kapelle entwickelte sich zu einem beachtlichen Klangkörper, der in zahlreichen Konzerten und sonstigen Auftritten sein Können unter Beweis stellte und damit in Konkurrenz zu der seit 1924 in Malsch bestehenden Turnvereinskapelle trat.

Am 29. April 1928 wurde auf der Generalversammlung der „Harmonie“ der Beschluss gefasst, die bis dato „Feuerwehrkapelle“ in „Feuerwehr- und Harmoniekapelle“ umzubenennen. Das 50jährige Bestehen wurde mit einem Bezirksmusikfest vom 27. bis 29. Juni 1936 gefeiert. Danach wurden die musikalischen Aktivitäten wiederum durch einen Weltkrieg unterbrochen.

Erst in den Jahren 1945/46 wagten heimgekehrte Musiker der Feuerwehr- und Harmoniekapelle mit ehemaligen Musikern der Turnvereinskapelle den Versuch, sich zu einem gemeinsamen Klangkörper zusammenzufinden. Beide Kapellen waren für sich allein nicht existenzfähig und so schlossen sich die Musiker unter der Leitung von Karl Deubel als Dirigent unter dem Namen „Feuerwehrkapelle“ wieder zu einer Einheit zusammen. Die Hauptsorge der zu diesem Zeitpunkt 15 Mann starken Gruppe war es nun, so schnell als möglich Nachwuchskräfte auszubilden. Diese Bemühungen waren erfolgreich und bereits im September 1948 konnte sich die Feuer- wehrkapelle mit 32 Musikern dem Fotografen zum Gruppenbild stellen.

Nach der kurzzeitigen Direktion von Paul Fickler wurde in der Generalversammlung am 5. März 1949 der Stabsmusikmeister der Schutzpolizei Heinrich Polensky als Dirigent verpflichtet. Diese Wahl erwies sich im Nachhinein als äußerst glücklich, da Heinrich Polensky die Kapelle sehr bald auf ein Leistungsniveau gebracht hatte, das im näheren und weiteren Umkreis beachtet und anerkannt wurde. Als Heinrich Polensky nach 19jähriger Dirigententätigkeit der Feuerwehrkapelle den Taktstock im Januar 1968 aus gesundheitlichen Gründen zurückgeben musste und er zum Ehrendirigenten ernannt wurde, hinterließ er der Kapelle auch eine Anzahl Kompositionen und Bearbeitungen, die noch heute eine Bereicherung des Repertoires darstellen. In seine Zeit (1957) fiel auch das Doppelkonzert bei der Kapelle „Fanfare St. Cäcilia“ in Nieuvenhagen/Holland, das im Rahmen des Kulturaustausches zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden zustande gekommen war. Im Juli 1959 fand dann das Bezirksmusikfest „Obere Hardt“ in Malsch statt, bei dem die Musiker aus Nieuvenhagen zu Gast waren. Zu dieser Zeit betrug die Kapellenstärke 53 Mann. Von Anfang 1968 bis Frühjahr 1973 lag die musikalische Leitung in Händen des Dirigenten Oskar Weigel und ein erneuter Dirigentenwechsel brachte Hans Kühn aus den eigenen Reihen an das Dirigentenpult. Im Januar 1977 übernahm Albert Oberle, ebenfalls aus den eigenen Reihen, den Taktstock.

Ende des Jahres 1977 wurde dann ein weiterer entscheidender Schritt in der Vereinsgeschichte vollzogen. Die Kapelle trennte sich in gegenseitigem Einvernehmen von der Feuerwehr und am 13. Januar 1978 fand die Gründungsversammlung des Musikverein Malsch e.V. statt.

1986 wurde „100 Jahre Blasmusik in Malsch“ gefeiert. Aus diesem Anlass wurde ein Jubiläumskonzert mit dem Partnerverein aus Frankreich - der Musique Municipale de Sezanne“ veranstaltet. Das Jubiläum wurde auch mit einem Fest in Verbindung mit dem Bezirksmusikfest „Obere Hardt“ gefeiert. Bei diesem Fest durfte der Musikverein von Landrat Dr. Ditteney auftrags des Bundespräsidenten Dr. R. von Weizsäcker die Pro-Musica-Plakette in Empfang nehmen.

In der Familienfeier im Januar 1992 trat Albert Oberle zum letzten Mal als Dirigent vor das Orchester und wurde an diesem Abend zum Ehrendirigenten ernannt. Er übergab den Taktstock an Torsten Reinau, der die Kapelle bis zum Januar 1999 leitete. 1994 wurde im Rahmen der 2. Karlsruher Blasmusiktage ein Wertungsspiel durchgeführt, bei dem sich das Orchester beteiligte. Unter seinem Dirigenten Thorsten Reinau errang die Kapelle in der Mittelstufe die höchste Bewertung - nämlich einen „1. Rang mit Auszeichnung“.

Das Jubiläumsjahr 1996 begann für die Aktiven des Musikvereins Malsch mit einer Reise zum internationalen Wertungsspiel für Blasorchester in Prag/Tschechische Republik. Im Wettbewerb der Oberstufe erspielte sich das Orchester unter der Leitung von Thorsten Reinau das „Silberne Band“. Zu dieser hohen Auszeichnung erhielten der Verein und die Musikerinnen und Musiker u.a. Glückwünsche des Staatsministers Dr. Erwin Vetter. Nach einem kurzen Gastspiel des Dirigenten Martin Vogt war seit dem 13. März 2000 Herr Helmut Albert der musikalische Leiter des Musikverein Malsch e.V.

Im Mai 2002 übernahm Frau Dagmar Bierhalter als erste Dirigentin in der Vereinsgeschichte das Dirigentenamt. Nach 5 Jahren Dirigentschaft verließ sie uns im Sommer 2007. Mit ihr hatten die Musikerinnen und Musiker einiges zu lachen, aber auch die Probenarbeit war immer eine Herausforderung. In dieser Zeit haben sich einige Freundschaften entwickelt, die wir weiterhin pflegen werden!

Ihr Nachfolger ist der ehemalige Verbandsdirigent des Blasmusikverbandes Pfalz, Herr Urban Pfaff. Möge er das Blasorchester mit seinen derzeit ca. 30 Musikerinnen und Musikern zu weiteren musikalischen Erfolgen führen.